Historie

1956 wurde der Studiengang Garten- und Landschaftsgestaltung gegründet, der 1972 in Landespflege und 1997 in Landschaftsarchitektur umbenannt wurde. 

1956 existierten an den Technischen Hochschulen in Berlin, Hannover und Dresden bereits andere Studiengänge zur Garten- und Landschaftsgestaltung. Die führenden Berufsvertreter suchten deshalb auch im Süden Deutschlands einen Standort zur akademischen Ausbildung des Nachwuchses. An der Fakultät für Landwirtschaft der TU München in Weihenstephan bestand bereits seit 1947 die Möglichkeit, innerhalb des Studiengangs Gartenbau das Wahlpflichtfach Gartengestaltung zu wählen. Aufgrund der räumlich beengten Situation in München und der Verbindung des Studiengangs zu den naturwissenschaftlichen Fächern der Landwirtschaft und des Gartenbaus vereinbarten die Fakultäten für Architektur in München sowie für Landwirtschaft und Gartenbau in Weihenstephan den Standort Freising.

1956 wurde der neue Studiengang Garten- und Landschaftsgestaltung eingerichtet. Ordinarius am Lehrstuhl und Institut für Garten- und Landschaftsgestaltung wurde der Landschaftsarchitekt Ludwig Schreiber, der bereits seit 1947 an der Technischen Hochschule Aachen einen Lehrauftrag für Garten- und Landschaftsgestaltung innehatte. Schreiber baute während der folgenden Jahre den Studiengang auf, und es gelang ihm, 1966 einen zweiten Lehrstuhl einzurichten. Inhaber des damaligen Lehrstuhls für Landschaftspflege, seit 1972 Lehrstuhl für Landschaftsökologie, wurde Dr. Wolfgang Haber. Schreiber legte den Grundstein für eine stark am Städtebau orientierte Ausbildung. Seine Assistenten kamen wie er von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen oder hatten an anderen Hochschulen Architektur studiert. Die von Prof. Erich Kühn in Aachen vertretene Ideologie der "Moderne" floss so in das Programm der Ausbildung ein. Der Schwerpunkt der Ausbildung unter Schreiber lag im Entwurf und dessen technischer Durcharbeitung. Seine Arbeiten fokussierten sich entsprechend dem damaligen Aufgabenfeld des Berufsstandes auf Gärten, Friedhöfe, Stadtplätze, Parks sowie die Eingrünung technischer und industrieller Großanlagen. Die Offenheit für ökologische Fragestellungen führte bereits 1959 zur Berufung des Honorarprofessors für Landschaftsökologie Dr. phil. Josef-Ludwig Lutz. Zu Schreibers Studenten zählten auch die späteren Lehrstuhlinhaber für Landschaftsarchitektur Peter Latz und Christoph Valentien. Ihnen und anderen Absolventen des Studiengangs war es durch die Verbindung mit Aachen möglich, ein städtebauliches Aufbaustudium an der Technischen Hochschule Aachen zu absolvieren, zu dem sonst nur Architekten zugelassen waren.

1972 trat Günther Grzimek die Nachfolge Schreibers an. Grzimek, einer der fortschrittlichsten Landschaftsarchitekten seiner Zeit, setzte umfangreiche Reformen in Gang. Er änderte den Namen des Lehrstuhls Garten- und Landschaftsgestaltung in die heute noch gültige Bezeichnung Landschaftsarchitektur. Grzimeks Leitbild war nicht mehr so sehr der Entwerfer, sondern der analysierende Planer, der sich gemeinsam mit anderen Fachleuten für Erhalt und Erstellung von nutzbaren Freiflächen einsetzt. Im Bereich der konzeptionellen landschaftsplanerischen Stadtentwicklung leistete er Pionierarbeit. Für ihn standen die Bedürfnisse der Nutzer im Vordergrund seiner Planungen. Sein Buch "Die Besitzergreifung des Rasens" und die angegliederte Ausstellung sind eine Aufforderung zur Inbesitznahme und Demokratisierung der öffentlichen Freiräume. Grzimek brachte seine pädagogischen Erfahrungen aus der Ulmer Hochschule für Gestaltung und der Gesamthochschule Kassel in Weihenstephan ein. Sein in Kassel entwickeltes Demokratisierungsmodell der studentischen Mitverantwortung, versuchte er an die Weihenstephaner Verhältnisse anzupassen. Sozialwissenschaftlich ausgerichtete Vorlesungen und Übungen sowie Gruppenarbeit in den Projekten zur Einübung einer zeitgemäßen, interdisziplinären Arbeitsweise wurden eingeführt.Grzimek förderte die praxisbezogene Hochschulausbildung, indem er neben dem Einsatz von studentischen Hilfskräften an der Hochschule die Studenten in eigens dafür gegründeten Büros in die Praxis einband. Grzimek gelang es, die Vertiefungsrichtung Landschaftsarchitektur strukturell und inhaltlich umfassend zu reformieren. Sein Vorhaben einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Studiengängen der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau scheiterte jedoch.

Mit dem in den 70er Jahren gestiegenen Umweltbewusstsein nahm auch die Popularität des Landespflegestudiums zu. 1973 erließ die Hochschule Zulassungsbeschränkungen. Obwohl sich um die rund 70 Studienplätze bis zu 600 Bewerber bemühten, blieben zusätzliche Personalstellen fast gänzlich versagt. Kurz vor seiner Emeritierung 1980 gelang es Grzimek einen zweiten Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur einzurichten. Inhaber des vorerst "nackten Lehrstuhls" - ohne jegliche finanzielle Ausstattung und nur mit einer Assistenten- und einer Sekretariatsstelle - wurde der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Christoph Valentien. 1983 übernahm Peter Latz von der Gesamthochschule Kassel den mittlerweile von Gastprofessor David Vala aus Portland (USA) kommisarisch geführten Lehrstuhl von Günther Grzimek. Mit dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Planung (P. Latz) und dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Entwerfen (C. Valentien) standen nun zwei sich ergänzende Lehrstühle zur Verfügung. 1985 erfolgte die Grundsteinlegung für das derzeitige Institutsgebäude in Weihenstephan und 1988 zogen die Lehrstühle und 340 Studenten in das neue Gebäude ein. Der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Entwerfen wurde 2005 in Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum umbenannt, es erfolgte damit eine Neuausrichtung der Lehre und Forschung auf aktuelle Fragestellungen.

2005 trat Frau Prof. Keller die Nachfolge von Prof. Valentien an.

 

 

Prof. em. Christoph Valentien

Ordinarius des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur und Entwerfen
von 1980 - 2003

Büro für Landschaftsarchitektur
Valentien+Valentien Landschaftsarchitekten und Stadtplaner SRL

Lebenslauf

04.08.1939
in Stuttgart geboren

1958 - 1960
Lehre als Landschaftsgärtner in Stuttgart

1960 - 1964
Studium der Gartenarchitektur und Landschaftspflege an der TH München in Freising/Weihenstephan

1965 - 1967
Städtebauliches Aufbaustudium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen

1967 - 1972
Wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter am Institut für Landschaftsplanung, Prof. Walter Rossow, Universität Stuttgart

1971
Freier Garten- und Landschaftsarchitekt; Büro für Landschaftsarchitektur zusammen mit Donata Valentien

1973
Lehrbeauftragter der Fachhochschule für Technik, Stuttgart, Studienfach Landschaftsgestaltung

1980 - 2002
Ordentlicher Professor am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Entwerfen an der TU München-Weihenstephan

2001
"Concurrent Professorship" der Nanjing Forestry University, China

Mitgliedschaften

1970
Wahl in den Deutschen Werkbund Baden-Württemberg

1986
Wahl in die Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, Landesgruppe Bayern

1986
Mitglied im Zentralinstitut für Raumordnung und Umweltforschung der Technischen Universität München

1995
Wahl in die Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer, Mitglieder der Arbeitsgruppe Aus- und Fortbildung

1996
Mitglied der Stadtgestaltungskommission München

2000
Wahl zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

2007
Wahl in das Kuratorium der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens e.V. 

 

Auszeichnungen

2012
Preis der Kategorie "Öffentliche Projekte" von der China Exploration and Design Association

2011
Design Preis 2011 der Stadt Shanghai für die Landschaftsarchitektur des "Chenshan Botanischen Gartens Shanghai"

2008
Auszeichnung Guter Bauten in Franken 2008 für die Altstadtsanierung Ochsenfurt

2008
Spezial-Auszeichnung in der Kategorie "Nachhaltige Stadtentwicklung" bei den 7th European Urban and Regional Planning Awards 2008 für den Platz der Menschenrechte gemeinsam mit der Messestadt Riem

2006
Auszeichnung Deutscher Städtebaupreis für den Platz der Menschenrechte gemeinsam mit der Messestadt Riem

2000
SRL-Stadt-, Regional- und Landesplanung: Wegweisende Projekte der Stadtgestaltung und Stadterneuerung (Promenade Messestadt Riem)

1996
Deutscher Städtebaupreis der BfG Bank (Walter Hesselbach Preis): Besondere Anerkennung für "Neugestaltung Historischer Kern Ravensburg"

1995
Fritz-Schumacher-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Hamburg, verliehen durch die Technische Hochschule Hannover

1994
Auszeichnung für Beispielhaftes Bauen Kreis Ravensburg, Architektenkammer Baden-Württemberg

Veröffentlichungen

2011
Mehlin, Marco; Valentien, Christoph: Gärten der Nationen und Stadtachse - Ein "Soziale-Stadt-Projekt" in Wolfsburg-Westhagen. In: PlanerIn, Fachzeitschrift für Stadt-Regional- und Landesplanung Heft 1 2010, S. 41-42

2010
Valentien, Christoph; Ding, Yiju: Shanghai Chenshan Botanic Garden. In: Landscape Architecture Nr. 4 2010, Beijing (Chinesisch + Englisch), S. 46-51

Valentien, Christoph; Ding, Yiju: Planing and Design of Shanghai Botanic Garden. In: Chinese Landscape Architecture Nr. 01 2010, Beijing (Chinesisch + Englisch), S. 4-10

Valentien, Christoph: Garden Architects, Landscape Planners and Landscape Architects, the Evolution of the profession in Germany. In: Paisea Dos 4, Germany, Barcelona 2010 (Spanisch + Englisch), S. 12-17

2008
Valentien, Donata; Valentien, Christoph: Neuer Botanischer Garten Shanghai, Jovis Verlag Berlin 2008

2007
Valentien, Christoph: Gartenkunst in der Stadtentwicklung, Beispiele aus München. In: Gartenkunst im Städtebau DGGL- Jahrbuch 2007, München 2007, S. 91-95

2005
Valentien, Christoph: Landschaftsarchitektur und ökologisches Bauen. In: La cultura del paesaggio; Venturelli, R.C. + Tobias, K. (eds.) Firence 2005, S. 243-253