MEXXochimilco informell

Master Projekt, 9|12 ECTS | Master Thesis, 30 ECTS
Sommersemester 2010

Forschungsfeld
Designing Nature as Infrastructure

Betreuung
Prof. Regine Keller
Dipl.-Ing. Mattias Roser
Dipl.-Ing. Thomas Hauck

Thema und Aufgabe
„Mexico is the ultimate world city: ultimate in size, ultimate in population, ultimate in threat of paralysis and disintegration, ultimate in the problems it represents.“ (Peter Hall)

Durch die mit Chinampas erfolgte künstliche Landgewinnung seit dem 10. Jh. ist ein noch heute einmaliges Stadtbild in Xochimilco (heute ein Teil von Mexico-City) entstanden. Die ehemalige Seenplatte im Anahuac Tal an dessen Ufern einst Tenochtitlan, die atztekische Hauptstadt, gegründet wurde, ist heute nahezu vollständig von Mexiko City bedeckt. In Xochimilco gibt es aber noch die letzten Teile des Kanalsystems der Chinampas zu sehen, die eine wichtige Tourismusdestination sind und heute unter Denkmalschutz stehen. Diese besondere geographische, historische und gesellschaftliche Situation des Stadtteil Xochimilco sorgt für eine Stadtlandschaft, die unter der Wechselwirkung von Wachstum und Bewahren steht – naturräumlich und traditionell geprägte agrarische Landnutzung und informelle Siedlungsaktivitäten stehen sich gegenüber. Hand in Hand mit der Konkurrenz um die Ressource Land geht der Kampf um die Nutzung von sauberem Wasser. Die ökologische Katastrophe auf die der gesamte Großraum Mexico-City zusteuert, zeigt sich in Xochimilco in gebündelter Form – der Wasserverbrauch der Stadt und die Entnahme von Grundwasser sind höher, als die Reproduktion der verbrauchten Ressource. Die Folgen davon sind, dass die Stadt um bis zu 40cm jährlich tiefer sinkt, weil sich die tragenden Erdschichten durch das fehlende Grundwasser absenken. Das wirkt sich auch auf die fragile Kulturlandschaft von Xochimilco aus, die auf die regelmäßige kontrollierte Überschwemmung durch das Anstauen von Kanälen angewiesen ist. Diese Bewässerungs- und Düngetechnik ist kaum mehr möglich, wenn Geländeteile die weniger stark absinken nicht mehr vom Wasser erreicht werden können. Eine weitere Ursache für die Zerstörung der Kulturlandschaft von Xochimilco ist die extreme Verschmutzung der Gewässer (Oberflächenwasser und Grundwasser) durch Abwässer, die zu 90% ungereinigt in das fast geschlossene hydrologische System des Tales von Mexiko eingeleitet werden. Als Ersatz für die durch die Zerstörung der Pflanzendecke und durch unkontrollierte Grundwasserentnahme versiegenden Oberflächengewässer wird Schmutzwasser in die Kanäle von Xochimilco eingespeist, das durch die Abwässer der informellen Siedlungen noch zusätzlich verschmutzt wird. Xochimilco befindet sich heute unter den Einflüssen der unerbittlich wachsenden Stadt und durch die schlechte Wasserqualität in einem kritischen Zustand, der die bisherigen Nutzungen gefährdet. Was wird aus dieser besonderen Stadtlandschaft, wenn man die bisherige Entwicklung weiterführt? Kann der „naturnahe“ kulturlandschaftliche Ursprung des Gebietes der Schlüssel für Morgen sein?

Das Masterprojekt beschäftigt sich mit dem informellen Stadtwachstum in Xochimilco und der damit verbundenen Transformation der alten Kulturlandschaft der Chinampas in urbanen Raum. In der Projektarbeit sollen Strategien, taktische Interventionen und Entwürfe erarbeiten werden, mit dem Ziel innerhalb des Prozesses des informellen Stadtwachstums qualitätsvolle öffentliche Räume herzustellen und die ökologischen Funktionen der Chinampas-Landschaft zu sichern und zu verbessern. Wie können für die Bewohner der colonias populares im Prozess des informellen Stadtwachstums attraktive öffentliche Räume und Grünräume entstehen? Wie könnten diese gestaltet sein? Welche Rolle spielen dabei die Strukturen der Chinampa-Landschaft, vor allem das Kanalsystem? Wie kann die Chinampa-Landschaft strukturell, funktional und szenisch zum Träger der weiteren Stadtentwicklung in Xochimilco werden?