Public Space A100

Masterprojekt, 12 ECTS | Bachelor Thesis, 15 ECTS
Wintersemester 2009|10

Forschungsfeld
Infrastruktururbanismus

Betreuung
Prof. Regine Keller,
Dipl.-Ing. Thomas Hauck 
Dipl.-Ing. Mattias Roser


Thema
Die umstrittene Erweiterung der Berliner Stadtautobahn A100 um den Bauabschnitt 16 von Neukölln nach Treptow ist der thematische Rahmen für die Beschäftigung mit der Qualität von öffentlichen Räumen im Wirkungsbereich großer Verkehrsinfrastrukturen. Die Planungsverfahren, die solche großen Eingriffe in das Stadt- und Landschaftgefüge begleiten, zeigen, dass über Landespflegerische Begleitplanung, Lärmgutachten, Trassierungsvarianten, Umweltverträglichkeitsprüfung etc. eine umfangreiche und fundierte Abwägung der funktionalen Vor- und Nachteile neuer Verkehrsinfrastrukturen stattfindet, aber selten räumlich-qualitative Analysen und Planungen diese Projekte begleiten. Zum Beispiel findet im Fall der A100|16 in der Landespflegerischen Begleitplanung eine Einschätzung der Folgen des Eingriffs ins Landschaftsbild nur sehr schematisch und allgemein statt ohne eine angemessene räumlich-qualitative Analyse und daraus abgeleitete Entwürfe, die die Sicherung und weitere Qualifizierung des Landschaftsbildes zum Ziel haben. Noch stärker zeigt sich dieser Mangel an das Verfahren ergänzenden qualitativen räumlichen Planungswerkzeugen im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Die Funktionalität der vorhandenen Wegenetze wird zwar gesichert und teilweise sogar erweitert, aber die Auswirkungen auf die räumlichen Qualitäten der öffentlichen Räume werden weitgehend ausgeblendet.   

Aufgabe
Ziel des Masterprojektes ist es am Beispiel des Bauabschnitts 16 der A100 in Berlin die Folgen des Eingriffs ins Stadtgefüge mit besonderem Augenmerk auf den öffentlichen Raum räumlich-qualitativ zu analysieren. Im Zuge der Analyse sollen geeignete Analysemethoden entwickelt und vorhandene adaptiert werden, die die funktional ausgerichteten Planungswerkzeuge der bisherigen Verfahren ergänzen und auf die Sicherung und Verbesserung der Qualitäten des öffentlichen Raumes abzielen. Aufbauend auf die Ergebnisse der Analyse wird ein Teilbereich für die weitere Bearbeitung als Entwurf ausgewählt und ein Entwurfsprogramm entwickelt. Der Entwurf soll die in der Analyse erarbeiteten räumlich-qualitativen Defizite lösen, aber über die  „problemlösende“ Entwurfshaltung hinaus sollen mit dem Entwurf eigene ästhetische Ausdrucksformen für öffentliche Räume im „Territorium“ großer Mobilitätsinfrastrukturen erabeitet werden.

Leistungsanforderungen
Der erste Arbeitsschritt ist die Analyse, die zum Ziel hat die räumlich-qualitativen Veränderungen im Stadtgefüge durch den Bau der A100 im Projektgebiet zu erfassen. Dazu sollen geeignete Analysemethoden entwickelt („Werkzeugkasten Infrastruktururbanismus“) und vorhandene adaptiert werden um den Fragestellungen, die sich im Zusammenhang mit großen Verkehrsinfrastrukturen und den Qualitäten des öffentlichen Raumes ergeben, gerecht werden zu können. Die Bearbeitung der Analyse erfolgt gemeinsam in der Projektgruppe.

Die Entwurfsarbeit soll zunächst auf strategischer Ebene beginnen. Die weitere Vertiefung als Entwurf erfolgt in Plänen und Modellen im Maßstab 1:500 oder 1:200. Der Entwurf ist als Einzelarbeit zu erstellen.


Auswahl Projekte

A100 Atmosphären

Andrea Behnke

2011 soll die Erweiterung des so genannten Inneren Stadtautobahnringes mit dem 16. Bauabschnitt in die Bauphase gehen. Der Bauabschnitt soll im Südosten von Berlin durch die Bezirke Berlin Neukölln und Berlin Treptow-Köpenick führen. Der Bau der Autobahn beeinflusst ganz entscheidend das Gebiet. Sie durchschneidet die Stadtstruktur und unterbricht bestehende Verbindungen. Sie wird zu Lärm- und Feinstaubbelastungen führen. Sie kann das Gebiet für bestimmte Nutzungen attraktiv machen, bestimmte Nutzungen können dadurch erschwert werden. Doch welche Perspektive kann das Gebiet an der Autobahn im Rahmen einer städtebaulichen Panung bekommen? Kann eine atmosphärische Betrachtung des Gebietes Ansätze für eine städtebauliche Planung bieten und damit einen neuen Umgang mit der Autobahn in der Stadt anreißen? Diese Arbeit stellt einen ersten und experimentellen Versuch einer Antwort darauf dar.

Nachbar A100

Eva Herbst

Das Konzept führt zu zwei großen Interventionen des Entwurfes. Zum einen wird um ein neues Zentrum an der S-Bahn im Inneren des S-Bahndreiecks ein neues Wohngebiet und im südlichen Teil eine Gewerbe- und Businessinsel entwickelt. Zum anderen verzweigt sich im gesamten Projektgebiet ein Grünband, das bestehende Parks und Grünzüge verbindet, sich funktional an die Autobahn schmiegt und sich dort zum Lärmschutzwall aufbäumt und aufweitet. Das Grünband vernetzt das Projektgebiet und die angrenzenden Grünzüge. Es schließt sich an die vom Görlitzer Park kommende Grünverbindung auf dem alten Bahndamm an, schlägt eine Brücke über die neue, in Troglage verlaufende Autobahn und die S-Bahnlinie und weitet sich entlang der Autobahn gegenüber des neuen Quartierzentrums zu einem Park. Das neue Quartierszentrum wird auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs entwickelt. Die Möglichkeit der S-Bahnanbindung prädestiniert es für die Entwicklung eines neuen, identitätsgebenden Zentrums. Das Zentrum wird als Mischgebiet ausgewiesen. Es soll alle Nutzungen des täglichen Gebrauchs beinhalten und kulturelle Anlaufstelle sein. Um der schwierigen, lärmintensiven Lage zwischen Autobahn- und S-Bahntrasse entgegenzuwirken, wird sowohl an der S-Bahntrasse als auch an der Autobahn ein jeweils zweireihiges Bebauungsband konzipiert. Diese doppelte „Lärmschutzbebauung“ schottet den Kernbereich des Zentrums vor Lärm ab. Der öffentliche Raum erschließt als Teil des beschriebenen Grünbandes die Bebauung und weitet sich an drei Stellen zu Plätzen. Während sich die Gestaltung des südlichen Platzes an der Linearität des angrenzenden Neuköllner Schifffahrtskanal orientiert und der nördliche Platz mit seinem klaren Baumraster einen Endpunkt des Zentrums markiert, ist der mittlere Platz ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Zentrum, der neuen, im Osten anschließenden Wohnbebauung und dem Grünband. Hier befindet sich der Eingang zum neuen S-Bahnhalt in Form eines platzbestimmenden Brückengebäudes. Die Plätze sind offen gestaltet, mit großformatigem Asphaltplatten belegt und bieten Raum für vielfältige Nutzungen, wie beispielsweise Wochenmarkt, Flohmarkt und Veranstaltungen. An den Plätzen sind sowohl gewerbliche Nutzungen in Form von Ladenzeilen, Cafés und Restaurants als auch öffentlich-kulturelle Gebäude, wie eine Bibliothek, Museum oder Bürgerbüro angedacht.

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Friederike Meyer-Roscher