Wohnen in der Stadt. Citylife.

Projekt III, 14 ECTS
1-semestr. Masterprojekt, 12 ECTS
Sommersemester 2008

Forschungsfeld
Stadtentwicklung Wohnumfeld

Betreuung
Prof. Regine Keller
Dipl.-Ing. Doris Grabner
Dipl.-Ing. Thomas Hauck
Dipl.-Ing. Volker Kleinekort
Dipl.-Ing. Jürgen Huber (Grafik)


„Diät für die Speckgürtel - Jahrzehntelang haben hoch subventionierte Eigenheim-Gürtel rings um die Metropolen zur Verödung der Stadtkerne beigetragen. Benzinpreiserhöhungen und der Stopp der Eigenheimförderung haben jetzt eine Trendwende eingeleitet..“ (Titelzeile in: Der Spiegel, März 2006) 

Thema
Die Stadt München ist, entgegen des nationalen Trends in der Stadtentwicklung, eine wachsende Stadt. Doch die Grenzen des Wachstums innerhalb der Stadtgrenzen sind erreicht. Das Potential der Konversion von Bahn- und Industrieflächen ist nahezu ausgeschöpft und nur mehr im Münchner Nordwesten steht unbebautes Land in geringem Ausmaß für Bebauung zur Verfügung. Unter diesen Gegebenheiten ist ein Umdenken in den bestehenden Strukturen unabdingbar.

Es ist notwendig freiraumbezogene Planugswerkzeuge für ein Nachverdichten in den baulichen Mikrostrukturen zu entwickeln. Vor allem in Räumen die sich bisher durch große Freiflächen auszeichneten, wie viele der Wohnbebauungen der 50er, 60er und 70er Jahre.
Das hat unmittelbare Folgen auf die bestehenden Freiraumqualitäten, die in den meisten Fällen aber eher als Quantitäten zu bezeichnen sind.
Wie sind wohnungsnahe Freiräume in den sich verdichtenden Baustrukturen zu konzipieren? Qualität ist wichtiger als Quantität – Wie kann dieser Wechsel im Leitbild der Planung konkret gemacht werden? Wie sehen diese Räume aus?

Analyse
Die Analysephase soll dazu dienen den Kontext des Wohnungsbaus aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Neben den Planungsansätzen der jeweiligen Jahrzehnte sollen auch die Wohnungsbaupolitik, Naturschutzansätze und die gesellschaftliche Struktur mit einbezogen werden.

Analyse folgender Wohnquartiere:
A. „Borstei“, Dachauer Straße
B. „Döllgastsiedlung“, Arnulfstraße, Karl-Schurz-Straße,
C. „Alte Heide“, Garchinger Straße
D. Gartenstadt Naupliastraße, Eschenstraße
E. „Hasenbergl“, Schleißheimerstraße
F. „Amerikanersiedlung“, Fasangartenstraße, Lincolnstraße
G. „Aubing“, Radolfzeller Straße
H. Neuperlach, Lüdersstraße
J. „Sternhochhäuser“, Ramsauer Straße
K. „Am Westpark“, Hansastraße, Leonhard-Moll-Bogen
L. „Teppichsiedlung“, Adams-Lehmann-Straße

Erster Entwurf
Entwurfsstrategie und konkretes Projekt für eine nachhaltige Entwicklung unter der Annahme der Verdichtung der Bereiche in den Wohnquartieren "Aubing" und "Amerikanersiedlung". Die Eigenarten der Baustruktur des Bestandes sind ebenso zu bedenken wie die neue Bebauung angedacht werden soll – Wie ist „Wachstum nach innen“ möglich, wohl wissend das der Freiraum an Quantität verlieren wird, aber an Qualität klar gewinnen soll?

Zweiter Entwurf
Wie sieht dieses mehr an Qualität wirklich aus? In der Vertiefung eines der beiden ersten Entwürfe soll geklärt werden, ob das Versprechen „das Quantität durch Qualität ersetzt werden kann“ wirklich einzulösen ist.


Auswahl Projekte

ReinRaufRüberRaus

Lisa Gritto und Lisa Höpfl

Das Konzept fundiert auf dem Prophet–Berg Prinzip: Kommt der Berg nicht zum Prophet, muss der Prophet eben zum Berg kommen. Im Entwurf wird deshalb vorgeschlagen, dass nicht der Mensch in den Freiraum am Boden kommen muss, sondern dass stattdessen der Freiraum bis zu den Bewohnern in den 9.Stock kommt. Um dies zu verwirklichen wird für die bestehenden Zeilenbauten eine neue Hülle vorgeschlagen, die jeweils an der Ost- und der Westseite des Gebäudes andockt. Jedes Gebäude wird von zwei Regalsystemen umklammert, deren Funktionen aus Regeln des Wohnungsbaus ganz bewusst getrennt sind. An der Ostseite befindet sich die Erschließungszone. An die vier vorhandenen Erschließungstürme werden Erschließungsebenen angedockt. Der Abstand der Erschließungszone zur Hauswand beträgt 2,4m. Bezüglich der Wohnung verläuft sie jeweils auf dem Zwischengeschoss, wodurch unerwünschte Einblicke in die Wohnungen verhindert werden. Auf der Westseite des Gebäudes wird für alle Etagen ein neuer Freiraum installiert. Auch hier wird ein Regalprinzip verwendet. An das bestehende Loggiasystem oder Balkonsystem werden gemeinschaftliche Verbindungsbrücken angelegt, von denen Terrassen abzweigen. Dabei gibt es unterschiedliche Module. Beim „Vorgarten-Typ“ beginnt die Terrasse direkt an der Loggia. Diese wird dadurch nach außen verlängert. Beim „Schrebergarten-Typ“ führt von der Loggia ausgehend nur ein schmaler Steg auf die gemeinschaftliche Verbindungsbrücke, diese muss überquert werden, um auf die private Terrasse zu gelangen. Die Terrassen einer Ebene variieren in der Anordnung der Typen und der Positionen der einzelnen Module. Durch die unterschiedliche Anordnung kommt es zu einer bestmöglichen Durchlässigkeit des Lichts, so dass die Verschattung der Wohnungen möglichst gering bleibt. Außerdem besteht das komplette System aus Stahlgitter, damit das Licht durch das Material nach unten dringen kann. Auf den jeweiligen privaten Terrassen werden Pflanzkästen mit Rankgittern installiert, die mit unterschiedlichen Kletterpflanzen berankt werden. Dies dient zur Schaffung von Privatsphäre und zur Begrünung des gesamten Hauses.