Sommerakademie Plan07

GRÜNES TAFELSILBER . ENTWERFERISCHE WÜRDIGUNG DES INNEREN GRÜNGÜRTELS KÖLN

Im Rahmen der plan07, dem Forum aktueller Architektur in Köln, war unser Mitarbeiter Volker Kleinekort als Tutor und Gastkritiker zu dem Workshop der plan-akademie "Grünes Tafelsilber" nach Köln eingeladen.

Grünes Tafelsilber
Als beliebteste Spardose des deutschen Stadtkämmerers dient, neben dem allgemeinen Kulturetat, der Erhaltungs- und Pflegekostenaufwand für die öffentlichen städtischen Grünanlagen. Das ist die Beobachtung von Jörg Rekittke, Landschaftsarchitekt und Assistant-Professor an der Universität Wageningen in den Niederlanden. Gemeinsam mit Andreas Fritzen, Kölner Architekt und Stadtplaner und Professor an der Fachhochschule Bochum, beklagt er, dass Verwahrlosung, Vermüllung, Zerstörung und daraus entstehende Unsicherheitsgefühle den ehemals erhabenen Charakter vieler landschaftsarchitektonischer Ensembles dominieren: „Die Stadt Köln bildet eines der augenfälligsten Beispiele dieses fatalen Trends. Obwohl derzeit medienwirksam bereits von einem dritten Grüngürtel auf regionaler Ebene gesprochen wird, zeigen sich die politisch Verantwortlichen nicht in der Lage, ihren in dieser Form einmaligen historischen Schatz des inneren und äußeren Grüngürtels angemessen zu pflegen und zu entwickeln.“

„Doch was wäre“, fragen sie provozierend, „wenn die Stadt ihr wertvollstes Stück ‚grünes Tafelsilber’, den inneren Kölner Grüngürtel, in Teilen für eine hochwertige städtebauliche Entwicklung – in zeitgemäßer Interpretation von Fritz Schumachers Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 1919 – freigeben würde? Was ist langfristig besser: ein städtebauliches Relikt mit öffentlichem Charakter, das zu Grunde gespart wird, oder ein marktorientierter Entwicklungsschub, der die Urbanität steigert, soziale Kontrolle erhöht, Privatisierung in Teilen zulässt und bezahlte Pflege als Mehrwertfaktor beinhaltet?“

Im Rahmen der plan-akademie untersuchen Jörg Rekittke und Andreas Fritzen diese Fragen in einem Workshop, zu dem sie Lehrende anderer Hochschulen mit ausgewählten Studierenden eingeladen haben: Jorg Sieweke, Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung, TU Berlin; Volker Kleinekort, Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum, TU München; Thomas Knüvener, Baukonstruktion, RWTH Aachen. 

Verfasser // Carola Stürzer / Benjamin Eiband / Felix Huber  (Team der TUM)

Stadt:machen

Das Projekt bezieht keine klare Stellung zu der oben beschriebenen Vermutung, es zeigt zwei Wege auf die konträrer nicht sein können: Der Gürtel als weiter offener Landschaftsgarten, als Totaler Raum entgegen einem  Gürtel als neu zu entwickelnde Stadtquartiere, als Realisierung all der verpassten Chancen des benachbarten Ruhrgebietes, innerstädtisches Wohnen auf „Brachflächen“ zu entwickeln – Wachstum nach Innen.
Beide Varianten sind in Ihrem Bild konsequent und logisch, wirken wie selbstverständlich im Stadträumliche Gefüge, als wäre es bereits immer so. Aber beide „Blicke“ auf die Stadt Köln sind, würde man sie der Prüfung der Praktikabilität unterziehen, auch ebenso extrem. Der Rückbau aller im Grüngürtel befindlichen Bauwerke - Wohnen, Verwaltung, Universität müssen dem Raumerlebnis weichen. Auf der anderen Seite würde ein Wohnen im Grünen angeboten werden bis von demselben nichts mehr bleibt als durch die Landesbauordnung geforderte Abstände.
Die Arbeit formuliert so durch die beschriebenen Phänomene eher Probleme als das sie Lösungen bietet. Zeigt eher Chancen als das sie sie nutzt. Es ist so an erster Stelle ein Versuch die Entscheidungsprozesse der Produktion von Stadtgestalt zu erschließen, ohne in die Falle eines dogmatischen Ableitens aus dem gesehenen zu geraten.   (V. Kleinekort)

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