Rosenau

Ideenwettbewerb für Studierende der TUM,
Vertiefungsrichtung Landschaftsarchitektur
Sommersemester 2007


Auf den Spuren eines viktorianischen Küchengartens


Thema

Studentischer Ideenwettbewerb fu?r die Außenanlagen am „Europa?ischen Museum fu?r modernes Glas“ im Landschaftspark Rosenau bei Coburg „auf den Spuren eines viktorianischen Ku?chengarten“ 

Durch eine großzu?gige Spende des Coburger Unternehmers und Kunstma?zens Otto Waldrich entsteht bis Mitte 2008 der Neubau des „Europa?ischen Museums fu?r modernes Glas“ im Landschaftspark Rosenau.
Der historische Park untersteht der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlo?sser, Ga?rten und Seen. Er steht unter Denkmalschutz und Landschaftsschutz.
Der Museumsneubau wurde von Architekt Albert Wagner, Coburg geplant.
Nach langer kontroverser Diskussion wurde der Museumsneubau letztlich am Su?drand des ehemaligen Ku?chengartens eingeordnet. Der langgestreckte Neubau wird gegenu?ber der historischen Orangerie in einer Entfernung von ca. 75 bis 80 m errichtet. Beide Geba?ude sind weder axial noch parallel zu einander ausgerichtet. 
Ausschlaggebend fu?r die Geba?udestellung war das urspru?ngliche Wegenetz: Das historische Orangeriegeba?ude steht rechtwinklig zur zentralen geradlinigen Wegeachse des ehemaligen Ku?chengartens, der Museumsneubau steht rechtwinklig zur schra?gen Wegeachse parallel zur o?stlichen Grenze des ehemaligen Ku?chengartens.

Aufgabe des Ideenwettbewerbs
Bedingt durch den Museumsneubau bedarf das Areal des ehemaligen Ku?chengartens einer grundsa?tzlichen U?berplanung. Mit dem Wettbewerb sollen Ideen zur Freifla?chengestaltung zwischen dem historischen Orangeriegeba?ude und dem Museumsneubau gefunden werden.
Eine, auch teilweise Rekonstruktion des viktorianischen Ku?chengartens im gartendenkmalpflegerischen Sinne ist wegen der Errichtung des Museumsneubaus und wegen fehlender Pflegekapazita?ten ausgeschlossen. 
Vielmehr besteht die Vorstellung, die beiden oben genannten Wege, die zum einen rechtwinklig auf das historische Orangeriegeba?ude und zum anderen rechtwinklig auf den Museumsneubau ausgerichtet sind, als wesentliche Bestandteile des ehemaligen Ku?chengartens aufzugreifen, aber auch die Rasterstruktur der Binnengliederung. Eine Verzahnung von alten (historischen) und neuen (modernen) Gestaltungselementen wird erwartet.

Preisrichter
Rainer Herzog, Verwaltung der Bayerischen Schlösser, Gärten und Seen
Dr. Alfred Schelter, Verwaltung der Bayerischen Schlösser, Gärten und Seen
Helmut Wiegel, Landschaftsarchitekt
Prof. Regine Keller, Landschaftsarchitektin, Ordinaria am LAO
Doris Grabner, Landschaftsarchitektin, Akademische Rätin am LAO

Download
Wettbewerbsaufgabe (PDF, 112 KB)

Mehr zum Schloss Rosenau unter:
www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/co_rosen.htm

Wettbewerbsergebnis
1. Preis: Benjamin Eiband, Felix Huber, Roberto Kaiser
2. Preis: Andrea Brandl, Alice Gundermann
3. Preis: Hannes Banzhaf, Tobias Behr, Margaretha Link
Ankauf: Georg Mielke
Ankauf: Burgl Probst, Natascha Weigand

veröffentlicht in
Garten+Landschaft 09/2007, Callwey Verlag München

Entwurf 1. Preisträger "Zeitsprünge"

Beurteilungs durch das Preisgericht:
Die Idee der subtilen und periodisch wiederkehrenden Visualisierung historischer Strukturen und die insgesamt einfachen Mittel des Entwurfs überzeugen. Dem entgegen stehen die nicht zur Gänze nachvollziehbaren Interventionen an den Fassaden (z.B. Wasserbecken an Orangerie). Die organischen Pflanzstrukturen als Erinnerung an verschiedene „Vegetationsepochen“ der Anlage werden originell und gleichzeitig attraktiv bewertet. Die klare Fassung des westlichen Geländesprungs mit darüberliegender Erschließungs- und Aussichtsachse wird positiv bewertet. Eine Umsetzung erscheint gut machbar. Die grafische Ausarbeitung der Arbeit wird besonders gelobt.

Entwurf 2. Preisträger "Potager, der Gemüsegarten"

Beurteilung des Preisgerichts:
Der Ansatz, die beiden Gebäudevorfelder über eine Neuinterpretation eines Gemüsegartens zu verlinken wird positiv bewertet und ist räumlich-gestalterisch überzeugend umgesetzt. Die Wegeführung ist von den
bestehenden und historischen Situationen abgeleitet und ist funktional wie gestalterisch geschickt in die aktuelle Anlage integriert. Die Detailqualität wird positiv gesehen, insbesondere der Vorschlag für die
Bestuhlung. Die Zentrumsbildung mit dem versetzten Brunnen erscheint gelungen, jedoch wird die darum situierte Baumgruppe erheblich störend für die ansonsten gute Beziehung zwischen den Gebäuden und dem Küchengarten gesehen. Die Topografische Abwicklung im Westen des Geländes ist nicht ausreichend geklärt. Eine Auslichtung des östlichen Baumbestands zur besseren Einsehbarkeit von der Zufahrt wird begrüßt. Der Entwurf wird als gut realisierbar eingestuft, die Gemüseflächen müssten dabei vielleicht reduziert werden. Die grafische Darstellung der Arbeit wird positiv hervorgehoben.

Entwurf 3. Preisträger "Fensterblumen"

Beurteilung des Preisgerichts:
Der prinzipielle Ansatz der Neuordnung der historischen Gartenkompartimente wird sehr begrüßt jedoch ist diese neue Ordnung schwer nachvollziehbar und die Raumbildung erscheint durch die hohen Heckenstrukturen schwierig. Die Orangerie wirkt durch die Heckenzimmer an den Rand gedrängt, ein Parterre wird insgesamt nicht spürbar. Die in den Kompartimenten inszenierten Zitate werden zum Teil als bedingt tauglich für diesen Ort gesehen. Die erforderlichen Funktionen sind erfüllt. Die Fensterblumen werden als sehr schöne Idee bewertet. Eine Umsetzung scheint insgesamt realistisch möglich. Die grafische Darstellung wird positiv gesehen.

Entwurf Ankauf 1

Beurteilung des Preisgerichts:
Die Arbeit besticht durch klare, konsequente Umsetzungen der räumlichen Ideen, diese werden jedoch an vielen Stellen negativ bewertet. So zum Beispiel auch die neue Zuordnung des Parterres zum Glasmuseum und die Abschottung der Orangerie durch das vorgelagerte Heckenzimmer mit Baumdach. Der Umgang mit dem westlichen Geländesprung ist mit einer Stützmauer klar gefasst, welche für die Unterbringung für eine erweiterte Ausstellung von Orangerie und Keramik gut genutzt werden kann. Das Wegesystem ist einerseits funktional gut gelöst, jedoch an manchen Stellen unausgereift (Osten der Orangerie). Aufstellflächen für Orangeriepflanzen im Freien werden kaum angeboten. Eine Umsetzung der Anlage ist vorstellbar. Die grafische Darstellung wirkt etwas düster und wird der Idee nicht gerecht.

Enwurf Ankauf 2

Beurteilung des Preisgerichts:
Die Idee der Spektralfarben und Spiegelungen ist konsequent und eindeutig umgesetzt. Die Spiegelung der Gebäudeausrichtungen in den gegenüberliegenden Umrissen der Gebäudevorplätzen wird als äußerst gelungen gesehen. Die funktionalen Anforderungen werden mit geringen Einschränkungen (z.B. groß dimensionierte Kiesfläche) als erfüllt gewertet. Die einzelnen Elemente und Details werden als sehr originell beurteilt. Die nicht nachgewiesene topographische Anbindung an der Westseite wird als negativ bewertet. Insgesamt scheint der Entwurf in Herstellung und Unterhalt schwer umsetzbar. Die grafische Darstellung wird wie die gesamte Arbeit klar, aber auch etwas kühl beurteilt.