Sunset Boulevard Sonnenstraße

Projekt III, 14 ECTS
1-semestr. Masterprojekt, 12 ECTS
Wintersemester 2006|07

Forschungsfeld
Public Space
Stadtentwicklung Wohnumfeld

Betreuung
Prof. Regine Keller
Dipl.-Ing. Doris Grabner
Dipl.-Ing. Thomas Hauck
Dipl.-Ing. Volker Kleinekort


Thema | Aufgabe

Inhalt des Entwurfes war die Münchner Sonnenstraße zwischen dem Karlsplatz (Stachus) und dem Sendlinger Tor.Ende des 18 Jh. wurde die heutige Sonnenstraße als Teil der Ringchaussee im Zuge der langsamen Entfestigung der Stadt am Rande der Befestigungsanlagen angelegt. Diese Ringstraße wurde aber nicht wie in anderen europäischen Städten zum repräsentativen Prachtboulevard ausgebaut, sondern war eine differenziert ausgeformte Fuge zwischen Altstadt und Vorstädten. Erst in den 1950er Jahren erfolgte der Ausbau zum Altstadtring, der als Verkehrsring Stadtkern und Vorstädte trennt. Für diesen vom Verkehr dominierten Stadtraum waren zunächst in einem Konzept die zukünftigen städtbaulichen Funktionen zu definieren. Im nächsten Schritt wurden diese im Entwurf ausgeführt und vertieft.Die verkehrsplanerischen Fragestellungen hatten einen hohen Stellenwert in dieser Aufgabenstellung, daher wurde der Entwurf vom Fachgebiet Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung, Prof. Dr.-Ing. Wulfhorst mitbetreut. Es gab die Möglichkeit die integrierte Prüfungsarbeit Ingenieurwissenschaften am Fachgebiet für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung zu machen. Dazu waren verkehrsplanerische Fragestellungen im Entwurf vertieft zu behandeln und eine Prüfung im Fach "Environmental Transport Planning" oder im Grundkurs "Verkehrstechnik und Verkehrsplanung" zu absolvieren.

Parallel wurde am Lehrstuhl für Integriertes Bauen, Prof. Fink, der Entwurf „Wachstum nach Innen: Sonnenstraße“ angeboten. Es fanden gemeinsame Projektvorstellungen statt.

Downloads
Dokumentation aller Entwürfe (PDF, 7,6 MB)
Handout Projektankündigung (PDF, 1 MB)

Links
Fachgebiet für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung: www.sv.bv.tum.de
Lehrstuhl für Integriertes Bauen: www.lib.ar.tum.de 


Auswahl Projekte

Am laufenden Band

Silvia Heißenhuber, Nadja Kotsch

Umter dem Titel „Am laufenden Band“ entwickeln Silvia Heißenhuber und Nadja Kotsch in radialer Richtung verlaufende Verbindungsachsen vom historischen Stadtzentrum in die angrenzende Ludwigsvorstadt, die allem voran die fußläufige Verknüpfung der beiden Stadtteile aufwerten sollen. Sie bedienen sich dabei der Symbolik des Zebrastreifens, der, im Bereich großer Knotenpunkte, stark überzeichnet aus dem linearen Gefüge der Verkehrsinfrastruktur und der Freiraumgestaltung abgeleitet wird. Im Bereich dieser Knotenpunkte soll durch Lichtsignalsteuerung ein zeitgleiches Überqueren der Kreuzungen in beliebiger Richtung ermöglicht werden. In ihrer stadträumlichen Lage besitzen der Karlsplatz sowie der Sendlinger Torplatz dabei nicht nur Bedeutung als wichtige Verkehrsknoten, sondern sind darüber hinaus wichtige Eintrittspunke zur Münchner Innenstadt, weswegen die Verfasser diesem Umstand durch eine deutliche gestalterische Aufwertung der Stadtplätze und der Wiederfreistellung barocker Sichtbeziehungen begegnen. Mit parallel zur Straße verlaufenden Vegetationsbändern, die gleichzeitig als Schattenspender und räumliche Gliederungselemente fungieren sollen, reagiert der Entwurf über die formale Ebene hinaus auf die ökologischen
Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Verkehrsablauf, und setzt diese, in höhengestaffeltem Aufbau, als Feinstaubfilter gegenüber dem Kfz-Verkehr ein.

Entenhausen bleibt stabil

Christopher Härtl, Roberto Kaiser

Auf die Zerschneidung des Karlsplatzes sowie des Sendlinger Torplatzes durch die Sonnenstraße reagieren Christopher Härtl und Roberto Kaiser mit der Etablierung eines breiten Boulevards an der westlichen Straßenseite, der es durch seine Dimensionierung schafft, die von der Altstadt abgetrennten Platzhälften aufzuwerten und neu zu verknüpfen. Die Breite dieses Tableaus gewinnen sie dabei durch die Bildung eines Clusters unterschiedlicher Funktionen und Nutzungen, die durch ihre räumliche Figuration nicht nur eine optische Aufweitung des für Fußgänger nutzbaren Straßenraums herstellen. Durch die Freiraumgestaltung soll ein Nutzungswandel vor allem in den Sockelgeschossen der angrenzenden Gebäude provoziert, und damit zukünftig auch der Schaufensterbummel und der Aufenthalt in Straßencafés entlang des Boulevards ermöglicht werden. Als Bodenbelag sieht der Entwurf zwei gegenläufige Gradienten aus Beton- sowie Kleinsteinbändern vor, die materiell zwischen den beiden Stadtplätzen unterschiedlichen Charakters vermitteln. Darüber hinaus entwickelt sich das entworfene Stadtmobiliar aus einzelnen Cortenstahlbändern. Für den Sendlinger Torplatz schlagen die Verfasser eine „schwebende“ Plattform aus Terrazzo-Asphalt vor, deren eingelassene Wasserdüsen temporär einen Wasserfilm an der Plattformoberfläche erzeugen, der mittels optischer Spiegelungen interessante Sichtbeziehungen zwischen den getrennten Platzhälften herzustellen vermag.

Spaces

Walburga Probst, Natascha Weigand

 

Unter dem Titel „Spaces“ entwickeln Walburga Probst und Natascha Weigand ein Freiraumkonzept aus zwei Teilräumen, für deren Ausformulierung der jeweils angrenzende Stadtplatz - im Norden der Karlsplatz, im Süden der Sendlinger Torplatz - als Leitcharakter und damit als Gestaltgeber dient. So entsteht in Verbindung zum urbanen Karlsplatz durch geringe Eingriffe in die Verkehrsorganisation eine Insel als Ort des Verweilens, aber auch der Inszenierung, bei der die Besucher zu Akteuren werden, die wie auf einer Bühne in Szene gesetzt sind. Die Bedeutung wird dabei unterstützt von einem Lichternetz, das den gesamten Straßenraum überspannt, und durch dessen Schaltbarkeit die Akzentuierung einzelner Teilbereiche möglich ist. Entprechend dem Charakter des Sendlinger Torplatzes, bei dem die Beleuchtung durch Bodenleuchten erfolgt, erhält der südliche Teil der Sonnenstraße eine Gestaltung, die eine weit geringere Exponiertheit der Nutzer anstrebt. Für die Raumbildung sorgt hier ein dichtes Baumkronendach, das den Passanten gegenüber fremden Blicken vielmehr abschirmt, als ihn diesen bewusst auszusetzen. Während im südlichen Bereich der Straße eher kleinteilige und begrenzte Räume inszeniert werden, zielt die Neugestaltung des Karlsplatzes auf eine Schärfung der Wahrnehmung der übereinandergelagerten Infrastrukturschichten ab, indem es durch das Durchbrechen der Schichten, für eine räumlich und visuell Verbindung dieser sorgt.

silent spine

Lavinia Herzog

Im starken Kontrast zu den hohen Verkehrs- und damit Lärmbelastungen im Bereich der Sonnenstraße entwickelt Lavinia Herzog ein Bauwerk, dessen Innenraum, als Oase im Verkehrsraum, Platz für Ruhe und Kontemplation bieten soll. Der Entwurf dieses für München völlig neuen Typus von städtischem Freiraum ist dem Umstand geschuldet, dass die zum Teil sehr großen Grünflächen im Bearbeitungsgebiet kaum nutzbar sind, und zudem von den Trambahngleisen zerschnitten werden. Der Wechsel von weiten und schmalen Holzschalen des Bauwerks nimmt räumlich Rücksicht auf die bestehende Bebauung und entwickelt dennoch ein deutliches, rhythmisches Raumprogramm, das dem Bedürfnis der Nutzer nach Ruhe, Zurückgezogenheit, Natur und Spiel nachkommen soll. Durch die differenzierte Geometrie und Gestaltung der Hochgärten enstehen Situationen unterschiedlicher Komposition, Materialität und Dichte, sowie einzelne Öffnungen, die visuelle Beziehungen zwischen Außen- und Innenraum ermöglichen sollen.