Das fotografische Werk Alwin Seiferts (1890-1972): Natur- und Technikverständnis eines Reichslandschaftsanwalts im Nationalsozialismus (Promotionsvorhaben)

Porträts und Landschaftsaufnahme Alwin Seiferts aus dem Lehrstuhl-Archiv

Lehrstuhl:
Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum

Laufzeit:
Beginn voraussichtlich 01/2017

Kooperationspartner:
...
Beteiligte Mitarbeiter:
M.A. Andrea Mühlmann, Prof. Dipl.-Ing. Regine Keller

Forschungsziel:
Alwin Seifert war ein sehr naturbezogener Mensch - dem Widarbund und der Anthroposophie angehörend strebte er stets danach, die Natur und das Landschaftsbild mit den sich weiterentwickelnden Technologien in Einklang zu bringen.
Sein auftrumpfender Charakter und seine spezielle Wahrnehmung der Landschaft ließen ihn visionäre aber auch provozierende Aufsätze und Bücher verfassen, die auf scheinbar vorherrschende Umweltproblematiken aufmerksam machten. Stetig versuchte er durch Diskussionen um das Thema Natur- und Technikverständnis dieses in seinem Sinne zu revolutionieren.
In Zusammenhang mit den Schriftdokumenten, Plänen und Skizzen Alwin Seiferts, könnte die Sichtung seines fotografischen Nachlasses am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum von großem wissenschaftlichem Interesse sein und vielversprechenden Aufschluss über seine Naturauffassung, Technikverständnis und Bauwerke des Nationalsozialismus geben. Die daraus hervorgegangenen Verknüpfungen zwischen Bild und Text sollen schließlich in einer Datenbank dargelegt werden.
In Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Iris Lauterbach, soll eine Dissertation entstehen die sich einerseits mit dem umfangreichen fotografischen Werk Alwin Seiferts und andererseits mit dem Spannungsfeld zwischen Infrastruktur und Landschaft zur Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt.
Und somit den Fokus auf bisher wenig berücksichtigte landschaftsarchitektonische Aspekte der nationalsozialistischen Selbstdarstellung legt.

Kurzbeschreibung:
Alwin Seifert wurde 1890 in München geboren und schloss sein Studium der Architektur 1913 an der Technischen Hochschule München ab. Seit den 1920er-Jahren lehrte er schließlich selbst an der TH-München. Nach einem Jahrzehnt der Selbstständigkeit wurde Alwin Seifert 1934 zu Fritz Todts „Berater in allen Fragen der landschaftlichen Eingliederung der deutschen Straßen und Kraftfahrbahnen“. Später war er Mitglied der militärischen „Organisation Todt“ und verantwortlich für große Infrastrukturprojekte wie etwa die Autobahn München-Salzburg.
1940 ernannte ihn Adolf Hitler zum „Reichslandschaftsanwalt des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen“. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Seifert eine führende Rolle in der Einbindung von Straßen wie auch Wasserkraftwerken ein und entwickelte Konzepte zum „Eindeutschen“ der Ostgebiete durch Bepflanzung.
Am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum sind neben Alwin Seiferts schriftlichem Nachlass (ca. 513 Akten) auch rund 40.000 Fotografien gelagert. Sie zeigen eigene, sorgfältig kategorisierte Aufnahmen des Landschaftsarchitekten und sind somit Dokument seiner Schaffensphasen, wie auch ein Beleg für längst vergangene und zum Teil im Zweiten Weltkrieg zerstörte historische Bauwerke und Landschaften.
Die Rolle Alwin Seiferts als Landschaftsarchitekt während des Nationalsozialismus ist nur in Ansätzen erforscht. Der Blick galt bisher eher der Architektur, derer sich das diktatorische Regime vor allem propagandistisch bedient hatte.  Seiferts Tätigkeiten, seine überregionale Bedeutung und seine Beteiligung an den antisemitischen Handlungen des NS-Staates sind nicht umfassend untersucht. Insbesondere seine fotografische Sammlung wurde bis heute in keiner Weise aufgearbeitet. 
Die Vielschichtigkeit der Themenbereiche innerhalb der großen Infrastrukturplanungen der NS-Zeit soll durch die Dissertation auf geistesgeschichtlicher und ingenieurtechnischer Ebene durchleuchtet werden - Alwin Seiferts Persönlichkeit und seine Verflechtungen mit Institutionen und anderen Figuren transparent dargestellt werden.

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